Hinter den Zeilen
Von der Idee zum Manuskript
Zwischen Tagebuch, Notizen und Erinnerungen
Die Zeit war reif: Motiviert holte ich mein Tagebuch hervor mit dem Ziel, meine Australien-Reise endlich zu verschriftlichen und anderen Menschen zugänglich zu machen. Eine Vision, die bereits damals am Whitehaven Beach entstanden war und seither eine Zeile auf meiner Wunschliste geduldig hütete.
Ich blätterte durch den abgegriffenen Lonely Planet, durchforstete das WWOOF-Buch und mein Diver-Logbuch. Jede Notiz war ein Fragment einer Zeit, die mich tief geprägt hat. Überwältigt von der Dichte der Erlebnisse bemerkte ich schnell, dass ich vor einem schönen Chaos aus Erinnerungen stand.
Als Projektleiterin durch und durch war klar: Zuerst braucht es Struktur.
Ich formulierte Ausgangslage und Motivation, definierte Zielgruppen, Umfang, Zeitachse - einen klassischen One-Pager, so wie ich es bei jedem neuen Projekt tue. Dabei feile ich so lange, bis wirklich alles auf den Punkt gebracht auf einer Seite Platz hat.
Meine Philosophie: Was nicht kurz und knapp erklärbar ist, ist noch nicht reif für die Umsetzung.
Das Konzept
Ein Versuch der Ordnung
Um dem Erlebten eine Form zu geben, zeichnete ich zunächst ganz analog meine Reiseroute auf Papier. Australien ordnete sich dabei fast von selbst in drei große Abschnitte:
- die Ostküste
- das Zentrum
- die Westküste
Diese geografische Gliederung wurde zum Fundament meiner von nun an geplanten Jillaroo-Trilogie.
Die zentrale Frage
Was will ich erzählen - und was sollen meine Leser:innen mitnehmen?
An diesem Punkt stellte ich mir eine entscheidende Frage: Was ist das Wesentliche hinter all diesen Erlebnissen?
Eine Reise hat unzählige Facetten: Begegnungen, Orte, Herausforderungen, kleine Umwege und große Momente. Doch aufgeschrieben nebeneinander bleiben sie oft nur Episoden.
Mir wurde klar, dass es mir nicht nur darum ging, jedes Abenteuer zu dokumentieren. Sondern darum, einen Zusammenhang herzustellen. Einen Rahmen, der die einzelnen Erlebnisse verbindet und ihnen Tiefe verleiht.
Die Antwort lag daher darin, alles in etwas Größeres einzubetten: in ein Narrativ, das Orientierung gibt, Raum für Reflexion lässt und die Leser:innen nicht nur mitnimmt, sondern einlädt, eigene Verbindungen herzustellen.
Mein Halt in guten und schweren Schreibzeiten, aber vor allem: meine Inspirationsquelle
Warum „Freiheit“ das Kernthema wurde
Im Laufe des Schreibens, begleitet von vielen Laufrunden und Yogaeinheiten, kristallisierte sich gedanklich ein zentrales Motiv für die erste Etappe heraus: Freiheit.
Nicht als Floskel, sondern als bewusste Auseinandersetzung mit einer Zeit, in der technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz vieles beschleunigen - ein Feld, das mich seit Jahren begleitet. Gerade in diesem Tempo wird umso deutlicher, wie wichtig es ist,
- den Mut zu haben, auszubrechen,
- den eigenen Weg zu gehen,
- Ideen selbst zu gestalten,
- unternehmerisch zu denken - im Leben wie im Arbeiten.
Jillaroo - am Weg der Traumpfade ist deshalb auch eine Einladung, die Zeilen als Inspirationsquelle zu nutzen, den eigenen Pfad zu betrachten und sich daran zu erinnern, dass er kein vorgegebener ist. Eine Einladung, den Mut zu entdecken, Veränderung zuzulassen und ihn aktiv mitzugestalten.
Unterhaltung, Wissen & Inspiration
Nachdem das „Was“ klar war, ging es ans „Wie“.
Das Buch sollte nie belehren. Es sollte unterhalten, Wissen vermitteln und inspirieren - gleichzeitig. Humor, Staunen, Nachdenken und Leichtigkeit nebeneinander.
Schnell wurde mir bewusst, dass mein Vorhaben meine Fähigkeiten überstieg.
Wie sieht so ein Buch überhaupt aus? Welcher Stil passt?
Kurzerhand kaufte ich mir Bücher wie Ich bin dann mal weg und Tracks - beides Bestseller im Genre Reiseberichte - und fing an nach Mustern zu suchen. Die Erkenntnis war ernüchternd: Ich bin weder so berühmt wie Hape Kerkeling noch so lakonisch-witzig wie Robyn Davidson.
Zweifel nagten, Texte wurden verworfen. Soll ich es besser sein lassen?
Verzweiflung wuchs zur Entschlossenheit und ich entschied mich, das einzig Mögliche zu tun: stets das Beste zu geben. Jeden Tag aufs Neue.
Mir war klar, dieses Projekt brauchte Fokus, Ausdauer und die passende Routine.
Ich reduzierte soziale Kontakte auf ein Minimum, straffte die Zeit zwischen Schreibeinheiten, Laufrunden, Yoga und frischem Essen.
Meine Abenteuergeschichten mit der australische Tierwelt zu verbinden, wurde zur Struktur.
Das Buch real werden lassen - das oberste Ziel.
Ich begann mich wieder einzulesen, mich hineinzufühlen und zugängliche Zeilen auf das digitale Papier zu bringen. Die erste Testleserin wurde eingebunden und dabei entstand der Mut mich an meine Wunschlektorin zu wenden. Obwohl sie selbst keine Zeit hatte das Projekt weiter zu betreuen, schenkte sie mir wertvolles erstes professionelles Feedback.
Die Entstehung der 3 Songlines
„Es wäre doch auch schön, etwas mehr von den Aborigines zu erfahren“, meinte sie.
Die Idee fand ich großartig, doch gleichzeitig stellte sich sofort die Frage: wird das dann nicht zu viel? Ein Chaos an Informationen?
Ich überlegte, dachte die Struktur immer wieder neu durch, suchte nach einer Lösung. Parallel verschlang ich Dokumentationen, Bücher und Filme über die Geschichte des Landes.
Eines Tages, bei einer Laufrunde kam die entscheidende Idee, das Buch entlang von drei Songlines aufzubauen - inspiriert von den Traumpfaden der indigenen Völker Australiens selbst.
Songline 1: Die persönliche Reise
Diese Songline folgt meinem eigenen Weg durch Australien. Sie erzählt von Mut, von Neugier, vom Losgehen ohne fertigen Plan. Von Entscheidungen, Begegnungen, Herausforderungen, unsichtbaren Grenzen und davon, seinen Träumen Raum zu geben.
Mit zeitlichen Abstand lacht man über die eine oder andere Situation und erzählt sie gerne weiter. Und manche bleiben für immer tief in der Erinnerung verankert.
Songline 2: Die indigenen Völker Australiens
Diese Ebene ist geprägt von großer Achtung. Sie nähert sich der Kultur der First Nations über Geschichten, Überlieferungen und historische Perspektiven. Für mich war sie Inspiration und Einladung, das Land nicht nur zu sehen, sondern noch tiefer zu verstehen - als lebendiges Geflecht aus Geschichte, Spiritualität und Beziehung zum Land.
Was ich dabei für meine Leser:innen bewusst offen ließ: Wie tief sie in die Geschichte des Landes eintauchen möchten. Ryan, beispielsweise, reagierte im Buch bewusst nicht mehr auf meine Verwunderung, warum man von den Ngaro so wenig hört. Stattdessen segeln wir nach Nara Inlet.
Songline 3: Die Tierwelt
Diese Songline ist mir besonders ans Herz gewachsen. Sie vermittelt Wissen, ohne belehrend zu wirken. Die Idee, Tiere in vertraute gesellschaftliche Rollen zu kleiden, entstand aus der Reflexion auf das Leben selbst. Dazu öffnet Humor die Türen und macht Fakten leichter zugänglich. Die Namen der Figuren leiten sich oft von den wissenschaftlichen Bezeichnungen der Tiere ab und schlagen so eine spielerische Brücke zwischen Biologie und Erzählung.
Eine gebastelte Übersicht der Songlines entstand ebenfalls auf Papier und begleitete den gesamten Schreibprozess, um einen ausgewogenen Rhythmus im Blick zu haben.
Songline 1 = Grün
Songline 2 = Pink
Songline 3 = Gelb
Bilder, Grafiken = Orange
Lieder = Blau
Verlagssuche & Selbstverlag
Nach Wochen intensiver Arbeit war eine herzeigbare Leseprobe des ersten Kapitels entstanden. Ich erstellte ein Exposé, recherchierte Kontakte zu größeren Verlagen und verschickte meine E-Mails.
Die automatische Antwort kam prompt:
„Sollten Sie innerhalb von 6 Monaten nach Einsendung nichts von uns hören, können Sie davon ausgehen, dass Ihr Angebot leider nicht in unser Programm passt.“
Ich habe nie wieder etwas gehört.
Als natürliche Konsequenz stellte sich folgende Frage: Wie verlegt man ein Buch in Eigenregie?
Es folgten zahlreiche YouTube-Videos, Recherchen zu Anleitungen und das Lernen im Umgang mit dem KDP-Tool von Amazon - ein Tool für sogenannte Selfpublisher. Parallel zu den Schreibarbeiten und Überlegungen zum Design beschäftigte ich mich von nun an auch mit der Amazon-Eingabemaske: Preisgestaltung, Buchformat, Erstellung meines Autorenprofils in mehreren Sprachen und Beschreibungstexten, sowie passender Keywords.
Titel, Untertitel & Cover
Der Titel Jillaroo stand relativ früh fest. Der Untertitel hingegen war das Ergebnis einer langen Suche - viele Varianten, viele Richtungen. Zwischen Staub und Sternen, zwischen Traumzeit und Neuzeit, Australien: Zeit für eine Auszeit waren lange ganz oben auf der Liste.
Auch das Cover habe ich selbst gestaltet.
Zahlreiche Versionen entstanden, wurden verworfen, neu gedacht. Das Bild vom Whitehaven Beach war klar, doch das finale Design sollte für die gesamte Trilogie funktionieren.
Ich habe mich intensiv mit der Farbenlehre beschäftigt: Orange steht für Optimismus, Begeisterung und Freiheit, Rot für Energie, Leidenschaft, Abenteuer. Die Conclusio: ein Orangerot sollte es sein. Tomatenrot war schließlich die finale Wahl - passend zu Jillaroo (und zum Rock).
Dann kam Kasuar (oder war es doch bei einer Laufrunde) mit seiner originellen Tropenband-Idee, einerseits für ein Lesezeichen und andererseits zur Differenzierung der einzelnen Etappen. Die Hauptfarbe des Tropenbandes, tiefes Indigo, steht für Natur, Intuition, Spiritualität und Vertrauen.
Stimmen aus der Vergangenheit und ein Dank an das Land
Ein besonders berührender Teil des Schreibprozesses war die Recherche und Kontaktaufnahme mit den Menschen, die mich auf meiner Reise begleitet hatten.
Nach vielen Jahren wieder von ihnen zu hören, war überwältigend. Lange Telefonate, ausführliche Textnachrichten, Lebensupdates. Es fühlte sich an, als wurde die Zeit zurückgedreht.
Ich fragte sie alle, ob ich ihre echten Namen im Buch verwenden darf. Die Zustimmung kam prompt und herzlich von jedem Einzelnen und einige von ihnen stellten mir darüber hinaus persönliche Testimonials für die Buchrückseite zur Verfügung.
Ein Geschenk, das ich sehr schätze, denn es macht die Geschichten nicht nur authentisch, sondern zeigt auch, wie verbindend diese gemeinsame Zeit bis heute wirkt.
Aus dieser Dankbarkeit heraus entstand auch der Wunsch, etwas zurückzugeben.
Für die ersten 500 verkauften Exemplare von Jillaroo - am Weg der Traumpfade spende ich jeweils einen Euro zum Schutz der Kasuare.
Es ist eine kleine Geste. Aber sie kommt von Herzen, als Dank an ein Land, das mir so viel für mein Leben geschenkt hat.
12 Monate, 428 Laufkilometer, 192 Yogaeinheiten
..brauchte es, um das fertige Manuskript in den Händen zu halten.
Über 1.000 Arbeitsstunden flossen in dieses Projekt - verteilt auf frühe Morgenstunden, stille Abende, Zweifel, Neuanfänge und kleine Fortschritte.
Unter einer Schritt-für-Schritt-Anleitung entstand über den Sommer 2025 das Endergebnis: das Taschenbuch und eBook Jillaroo - am Weg der Traumpfade.
Nach mehreren Probedrucken hielt ich schließlich das finale Buch in den Händen.
Ein Moment, der schwer zu beschreiben ist, weil er gleichzeitig Abschluss und Anfang war.
Dieses Buch ist mehr als eine Sammlung von Geschichten. Es ist ein Stück gelebte Zeit, ein Rückblick mit Abstand und ein Dank an ein Land, das mich geprägt hat.
Wenn beim Lesen Neugier entsteht, ein Gedanke hängen bleibt oder der Wunsch wächst, dem eigenen Weg aufmerksamer zu folgen, dann hat Jillaroo - am Weg der Traumpfade genau das erfüllt, wofür es geschrieben wurde.
Die Zeit war reif.
Und so klickte ich auf den Button: Veröffentlichen.